Laktat: was ist das?

Die Muskulatur funktioniert ob für Tier oder Mensch stets nach demselben Prinzip. Eine Kontraktion als Verkürzung des Muskels durch ein aktives ineinandergleiten seiner Filamente, wird erst durch die Spaltung von ATP (Adenosintriphosphat) ermöglicht. ATP ist quasi der universale Treibstoff für die Muskelzelle.
Über die Verwertung verschiedener Energieträger wie Zuckerstoffe, Fette oder auch Eiweiße (letztere sind aber als Energieträger zu schade!), wird letztlich nur das bei der Muskelkontraktion verbrauchte ATP wieder regeneriert (Abb.1).

Abb. 1: Energiebereitstellung: alles wird zu ATP!
Abb. 2: Aerobe und anaerobe Energiebereitstellung

Die Energiebereitstellung erfolgt über die aerobe (= mit Sauerstoffverbrauch verbundene) Verbrennung (Oxydation) von Glucose (Kohlenhydraten) und freien Fettsäuren. Im Falle der Fettverbrennung erfolgt dies immer unter Verwendung von Sauerstoff (=aerob), während die Verwertung von Kohlenhydraten sowohl mit als auch ohne Anwesenheit von Sauerstoff (=anaerob) erfolgen kann.
Je mehr ATP pro Zeiteinheit in der Muskelzelle zur Verfügung steht, um so intensiver, d.h. stärker oder schneller, erfolgt auch die Muskelkontraktion. Die Verbrennung der verschiedenen Energieträger vermag aber eine ganz unterschiedliche Menge ATP im Muskelstoffwechsel zu regenerieren (Tab. 1). Die Verbrennung von Fetten liefert dabei halb so viel ATP wie bei der aeroben Verbrennung von Glucose, diese halb so viel wie bei ihrer aneroben Verbrennung, wobei jedoch im Stoffwechsel Milchsäure (Laktat) anfällt.
Laktat ist also ein Zwischenprodukt aus den Abbau von Glucose unter anaeroben Bedingungen (Sauerstoffschuld).

Tabelle 1:

ATP-Regeneration CP
Glucose anaerob
Glucose aerob
Fett

 

2-3 ATP / Sek.
1.0 ATP / Sek.
0.5 ATP / Sek.
0.25 ATP / Sek.

 

Je weniger Intensiv die Muskelarbeit, um so eher genügt der vorhandene Sauerstoff im Stoffwechsel und um so geringer ist die Bildung von Laktat. Die Konzentration der Laktst im Blut gibt uns demnach Auskunft, wie das Verhältnis zwischen aerober und anaerober Energiebereitstellung ist.
Je tiefer das Blutlaktat, um so mehr Sauerstoff steht für die aktuelle Muskelarbeit zur Verfügung, um so eher werden Fette und Glucose unter aeroben Bedingungen verwertet.
Mit steigender Intensität der Muskelarbeit und damit steigendem ATP-Bedarf, muss die Energiebereitstellung aber zunehmend über die anaerobe Verwer- tung von Glucose erfolgen, wodurch das Laktat ansteigt.

Der Verlauf der Laktatkurve ist zu Beginn flach und steigt mit zunehmender Intensität immer steiler an. Bei Laktatwerten um 2 mmol/l und tiefer werden v.a. Fette als Energieträger verwertet; dies ist demnach der optimale Fettverbrennungsbereich (Abb.3). Bei Laktatwerten zwischen 2 und 4 mmol/l erfolgt die Energiebereitstellung aus einer Mischverbrennung aus Zucker und Fetten, bei Laktatwerten über 4 mmol/l (Achtung: dieser Grenzwert ist sehr individuell und trainingsabhängig!) muss die zusätzlich benötigte Energie anaerob bereit gestellt werden: hier gehen am meisten Zucker im Energiestoffwechsel verloren!

Abb. 3:Muster-Laktatkurve